AV-Solution INSIGHT

Zu Besuch bei Pichler Medientechnik

Im Rahmen der AV-Solution Insights war der Fotograf Jörg Küster für einen Tag zu Besuch im Wiener Büro. Dabei sind spannende Interviews und aufregende Fotos entstanden:

Pichler Medientechnik Veranstaltungssaal
Pichler Medientechnik Schulung

 

Pichler Medientechnik wurde 1995 von Inhaber/CEO Gerhard Pichler gegründet. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in Graz, ist seit mehr als zwei Jahrzehnten aber auch mit einer Niederlassung in Wien vertreten.

In der österreichischen Hauptstadt residiert Pichler Medientechnik im 23. Bezirk gegenüber des Wohn- und Kaufparks Alterlaa und belegt in einem Gewerbekomplex die komplette sechste Etage. Erwartungsgemäß wurden in den großzügigen Räumlichkeiten nicht nur Büros eingerichtet, sondern es sind auch repräsentative Showrooms und elegant gestaltete Besprechungsräume vorhanden, in denen Besucher:innen Medientechnikkonzepte des Unternehmens in realitätsnahen Szenarien erleben können.

Pichler Medientechnik (PMT) gehört zu den führenden österreichischen Systemhäusern und begleitet Kund:innen entlang der gesamten Customer Journey von der initialen Beratung über Planung und Umsetzung bis zur schlüsselfertigen Übergabe. Das Aufgabenspektrum umfasst sämtliche Medientechnik-Bereiche mit einem besonderen Schwerpunkt auf Digital Signage-Anwendungen. In den Projektreferenzen sind renommierte Namen wie Allianz, Boeing, Casinos Austria, Heineken, OMV, Post AG, Rewe, Siemens und Telekom sowie zahlreiche Universitäten, Banken und Gesundheitseinrichtungen vertreten. Kunden werden national und international begleitet.

Stets im Bilde

Gerhard Pichler hat in Graz Elektrotechnik mit Fachrichtung Biomedical Engineering studiert und ist Diplom-Ingenieur. „Ein solches Studium schadet einer Tätigkeit im Bereich Medientechnik nicht …“, merkt der Firmeninhaber schmunzelnd an. „Mit Pichler Medientechnik adressieren wir explizit auch den Healthcare-Markt, und es ist natürlich von Vorteil, wenn man über die Gepflogenheiten dieser Branche Bescheid weiß.“

Nach dem erfolgreichen Abschluss eines Studiums verbrachte Gerhard Pichler zunächst ein Jahr in Mailand, wo er für ein Healthcare-Unternehmen im Segment der bildgebenden Analyse tätig war. Mit einem ehemaligen Mitstudierenden gründete Pichler später eine Firma, die sich auf OCR („Optical Character Recognition“) spezialisierte. „Bei unseren Präsentationen nutzten wir damals mit Overhead-Panels, die mit einem voluminösen Rechner verbunden waren – Laptops gab es seinerzeit noch nicht“, erinnert sich der Firmengründer an seinen ersten Kontakt mit Medientechnik. „Das Bild konnte man nur vernünftig auf die Wand werfen, wenn es im Raum ganz dunkel war.“

Pichler legte sich für seine Firma einige Overhead-Panels zu, welche nach seinen Worten „ein Vermögen kosteten“, allerdings erfolgreich vermietet werden konnten. Als Projektoren in den Markt einzogen, wurden auch diese verliehen: „Die Geräte erregten plötzlich das Interesse von Kunden, die wir wegen vollkommen anderer Themen aufgesucht hatten“, berichtet der Entrepreneur.

Ein Kunde aus dem Automotive-Bereich wollte Mitte der 1990er-Jahre die Geräte schließlich nicht nur leihen, sondern käuflich erwerben, und aufgrund der absehbaren Entwicklung entschied sich Gerhard Pichler im Jahr 1995, die Pichler Medientechnik e.U. zu gründen. Die Gesellschaftsform als „eingetragener Unternehmer“ erlaubt ein hohes Maß an Flexibilität, bedingt allerdings auch, dass der Inhaber für Verbindlichkeiten aus dem Geschäftsbetrieb mit seinem gesamten Vermögen haftet. Von Beginn an erfuhr Gerhard Pichler familiäre Unterstützung bei seinen geschäftlichen Aktivitäten: Seine Frau Sigrid Pichler ist bis heute im Unternehmen tätig (wenngleich in deutlich geringerem Umfang als früher) und sein Sohn Tobias Pichler sowie seine Tochter Hannah Pichler wirken ebenfalls tatkräftig am Geschäftserfolg mit.

„ease“ wie „easy“ …

Den Fokus seiner Firma richtete Gerhard Pichler bereits früh auf den Bereich Festinstallation, nachdem offenkundig wurde, dass mit einem weiteren Wachstum des Verleihs ein nennenswertes Engagement in den Gewerken Bühne, Licht und Ton einhergehen würde: „Die Veranstaltungstechnik ist eine komplett andere Branche, in der wir heute allerdings viele Kunden haben“, kommentiert Pichler.

Gegen Ende der 1990-Jahre rückte Digital Signage verstärkt in das Blickfeld des Firmengründers. Auslöser war eine Anfrage der Infineon Technologies AG, in deren Rahmen der Standort Villach mit 40“-Plasmabildschirmen auszustatten war. Auf Kundenwunsch sollten sich die Screens komfortabel via Netzwerk bespielen lassen; explizit ausgeschlossen wurde auf Seite des Auftraggebers ein Diskettenwechsel an lokal aufgestellten PCs. Aus intensiven Gedankenspielen rund um Möglichkeiten zur Lösung der Aufgabe resultierte schließlich die erste Version der heute weithin bekannten easescreen Digital Signage-Software (www.easescreen.com).

Der einprägsame Name leitet sich von den englischen Begriffen „easy“ und „screen“ ab, wobei die Schreibweise mit „y“ zum Entstehungszeitpunkt der Software bereits anderweitig belegt war, weshalb stattdessen ein „e“ gewählt wurde. Letzteres wird im Logo durch einen stilisierten (Electronic-)Screen gerahmt. Die Frage nach der korrekten Aussprache wird durch die vorgenannte Herleitung beantwortet: Laut Gerhard Pichler heißt es „isieh“ wie beim englischen „easy“ und nicht „iehs“ wie bei „at ease“.

„Wir haben easescreen from scratch entwickelt“, sagt Gerhard Pichler zu den Ursprüngen der Software-Lösung. „Die Konzepte, die seinerzeit am Markt verfügbar waren, stammten aus den USA und aus Kanada, und die dort aktiven Anbieter unterhielten keine lokalen Niederlassungen.“ Entwickelt wurde die easescreen Software zunächst für das Windows-Betriebssystem, wobei auf Kundenwunsch Inhalte auf Basis des (in Marketing-Abteilungen seinerzeit extrem beliebten) Adobe Flash-Formats sowie MS PowerPoint zu berücksichtigen waren. „Wir haben diese Formate vom ersten Augenblick an nativ unterstützt und konnten die Bildschirmwiedergabe außerdem in Zonen aufteilen“, sagt Gerhard Pichler über die erste Software-Version.

Prinzipiell beruht die easescreen Software bis heute auf ihrem ursprünglichen Kern – ein grundlegendes Re-Design war nie vonnöten, und neue Features konnten um den existierenden Core gruppiert werden. „Somit sind wir rückwärtskompatibel und könnten mit der aktuellen Screen-Manager-Oberfläche beispielsweise auch einen Software-Player aus dem Jahr 2000 befüllen, sofern die Inhalte zu den damals verfügbaren Möglichkeiten kompatibel sind“, erklärt Gerhard Pichler. Die Entwicklungseinteilung bei easescreen leitet bis heute CTO Peter Feldbaumer, der von Beginn an in die Entwicklung der Digital Signage-Software involviert war.

Bei Pichler Medientechnik und easescreen handelt es sich laut Gerhard Pichler um getrennte Unternehmungen, die paritätisch zum Geschäftserfolg beitragen. Mit einer vergleichsweise kleinen Belegschaft werden bei easescreen Kund:innen in 100 Ländern bedient, und gemäß Gerhard Pichlers Worten konnten bereits mehr als 10.000 Projekte erfolgreich abgeschlossen werden. Im April 2022 wurde ein Büro in Miami eröffnet, um die easescreen Aktivitäten in den USA weiter zu forcieren. Personell agieren Pichler Medientechnik und easescreen größtenteils getrennt: Das für die Medientechnik-Integration zuständige Team ist vorwiegend in Graz anzutreffen, während sich in Wien das Know-how rund um easescreen konzentriert.

Aktuelle Aufstellung

Bezüglich der Integration von Medientechnik wird PMT überwiegend in Österreich aktiv, wobei für einzelne Kunden  auch internationale Rollouts umgesetzt werden – für die Telekom Austria Group etwa wurden zahlreiche Niederlassungen in Osteuropa mit Medientechnik ausgestattet. Medientechnische Integrationsvorhaben sind bei Pichler Medientechnik hauptsächlich in den Bereichen Corporate, Healthcare und Hochschule angesiedelt.

„Typische Projekte bewegen sich bei uns in Größenordnungen zwischen 50.000 und 1,5 Millionen Euro“, sagt der CEO und verweist auf zunehmend komplexer werdende Anforderungen. Einfache Aufgaben wie Huddle Rooms werden selbstverständlich weiterhin gerne in Übereinstimmung mit individuellen Kundenwünschen übernommen, aber der Trend weist klar hin zu komplexen gebäude- oder standortübergreifenden Netzwerklösungen mit AV-over-IP-Infrastruktur.

Pichler Medientechnik beschäftigt aktuell 25 Mitarbeitende. Das Unternehmen bildet keine Nachwuchskräfte aus und verlässt sich bei der Suche nach neuen Mitarbeiter:innen seit einiger Zeit auf eine Recruiting-Agentur, die mit den Anforderungen von Pichler Medientechnik bestens vertraut ist. „Es ist nicht einfach, in Österreich die richtigen Menschen für unsere Aufgaben zu finden, aber die Agentur stellt uns ausschließlich Top-Leute vor“, erklärt Gerhard Pichler. Sind passende Personen erst einmal gefunden, verbleiben sie in aller Regel lange im Unternehmen – die Personalfluktuation bei Pichler Medientechnik fällt bemerkenswert gering aus.

Leuchtturmprojekte

Zu aus seiner Sicht herausragenden Projekten befragt, verweist Gerhard Pichler auf ein facettenreiches Großvorhaben bei der in Graz ansässigen Styria Media Group, die zu den führenden Medienkonzernen in Österreich, Kroatien und Slowenien gehört. „Dieses Projekt hat quasi alle unsere Themenbereiche von Outdoor-LED über Anzeigeflächen in der Lobby, e-TV, Digital Signage und die medientechnische Ausstattung spezieller Veranstaltungsräume in der obersten Etage umfasst“, berichtet Pichler. „Wir hatten die Möglichkeit, die aktuell verfügbaren medientechnischen Optionen vergleichsweise frei auszuschöpfen, wobei als Besonderheit auch Bestandsmaterial zu integrieren war. Weiterhin konnten wir kompromisslos genau jene Produkte auswählen, die wir zur Lösung der jeweiligen Aufgabe für besonders gut geeignet halten. Letztlich sind bei dem Projekt für die Styria Media Group ganz unterschiedliche Aspekte homogen zu einem übergreifenden, in sich absolut stimmigen Gesamtkontext zusammengewachsen.“

Gerhard Pichler erwähnt weiterhin die AVL List GmbH, welche sich der Entwicklung von Antriebssystemen für die Automobilindustrie widmet. Für das Grazer AVL Headquarter hat PMT u. a. einen medientechnisch anspruchsvollen Raum konzipiert, welcher mit einem speziellem User-Interface unter Einsatz von LED-Walls und Shutter-Brillen zum interaktiven 3D-Prototyping genutzt wird. Ergänzend werden in der medientechnisch hochgerüsteten Umgebung Pressekonferenzen der Geschäftsleitung abgehalten.

Bewegte Zeiten

Im Gegensatz zur Veranstaltungstechnikbranche haben auf Medientechnik spezialisierte Unternehmen die pandemiebedingten Einschränkungen der Jahre 2020 und 2021 vielfach gut überstanden. Pichler Medientechnik bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme. „Bei Styria Media arbeiten im Hauptgebäude normalerweise bis zu eintausend Angestellte, die während der Pandemie größtenteils im Home-Office tätig waren, so dass wir bei der Installation vor Ort quasi frei schalten und walten konnten“, berichtet Gerhard Pichler über das Leuchtturmprojekt, das unter Corona-Bedingungen umgesetzt wurde. „Im Jahr 2020 mussten wir zwar eine deutliche Delle im Umsatz akzeptieren, wofür wir im Jahr 2021 dann allerdings den besten Umsatz aller Zeiten verzeichnen konnten – es gab massive Nachholeffekte.“

Dass Gerhard Pichler die nähere Zukunft dennoch nicht uneingeschränkt positiv sieht, liegt unter anderem an Lieferengpässen, die derzeit bekanntermaßen allen Branchenakteuren das Leben schwer machen und einzelne Firmenexistenzen möglicherweise auch beenden werden. Als neues Unheil droht am Horizont die stetig steigende Inflation, welche viele potentielle Auftraggeber dazu bewegt, das verfügbare Geld erst einmal zusammenzuhalten und eigentlich fest eingeplante Investitionen zu vertagen. „Wir merken durchaus, dass einige Unternehmen auf die Budgetbremse treten und Medientechnikprojekte „on hold“ gesetzt werden“, sagt Gerhard Pichler. „Im Moment arbeiten wir bereits begonnene Vorhaben ab. Die Bücher sind bis Ende des Jahres voll, aber die Pipeline für 2023 füllt sich im Moment deutlich langsamer, als wir es uns wünschen würden.“

Keep it simple!

Eine attraktive Business-Option für die kommenden Jahre sieht Gerhard Pichler unter anderem in der professionellen akustischen Gestaltung von Räumen. Viele Kunden zeigen sich nach den Worten des Geschäftsführers an entsprechenden Konzepten und Modulen interessiert, wenn sie erst einmal verstanden haben, wie sich die Zusammenhänge zwischen Sprachverständlichkeit und der Aufmerksamkeitsspanne der Zuhörenden gestalten. Wichtig ist laut Pichler, bereits in einem frühen Projektstadium auf mögliche Gestaltungsoptionen für die Raumakustik hinzuweisen; eine nachträgliche Anbringung entsprechender Module ist eher die Ausnahme als die Regel.

Weiter ausgebaut werden soll bei Pichler Medientechnik künftig die Bereiche „Planung & Konzeption“ sowie „Wartung & Service“, wobei Schwerpunkte auf Planung, Consulting und Service-Level-Agreements gesetzt werden sollen – geringe Margen beim „Kistenschieben“ legen eine derartige Entwicklung für viele Marktakteure nahe. Weiterhin im Fokus bleiben Digital Signage, Collaboration-Lösungen, LED-Systeme, Kommunikationsräume (Huddle Room bis Konferenzraum) und Maßnahmen rund um die (Raum-)Akustik.

Zur Philosophie seines Unternehmens befragt, antwortet Gerhard Pichler mit drei Worten: „Keep it simple!“, lautet seine Devise, welche sich sowohl auf die technische Umsetzung als auch auf die Bedienung der Medientechnik bezieht. „Wir konzentrieren uns seit jeher darauf, was Kunden wirklich benötigen“, konstatiert der Diplom-Ingenieur. „Die Technik soll so einfach wie möglich bedienbar sein, und wenn ein einzelner Knopf für eine perfekte Usability ausreicht, werden wir ganz sicher nicht versuchen, auf Biegen und Brechen eine komplexe Steuerung zu verkaufen. Im Servicefall bedeutet eine solche Herangehensweise weniger Aufwand, und wenn ein Kunde zufrieden ist, erinnert er sich gerne auch bei seinem nächsten Projekt an uns …“

Nach fast drei Jahrzehnten im Geschäft spricht Gerhard Pichler glaubwürdig von „Leidenschaft“, wenn er über seine Tätigkeit berichtet, und dieser „Spirit“ überträgt sich anscheinend auch auf Mitarbeitende seines Unternehmens. Im Rückblick scheint die Entwicklung von Pichler Medientechnik e.U. relativ konstant ohne größere Ausschläge in die eine oder andere Richtung verlaufen zu sein, und das Wachstum lässt sich grob mit der Formel „Ein neuer Mitarbeiter pro Jahr“ zusammenfassen. „Wir haben nicht die Absicht, in absehbarer Zeit schneller als bisher zu wachsen, zumal wir inzwischen eine Größe erreicht haben, mit der sich auch umfangreiche Projekte komfortabel abwickeln lassen“, sagt Gerhard Pichler über seine Pläne für die nähere Zukunft.

Statements von Gerhard Pichler und seinem Team

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